Stadt der Museen – Paris

Wer zum ersten Mal nach Paris fährt, hat meistens eine Menge vor. Zu mächtig sind die Bilder, die schon die Namen berühmter Orte hervorrufen: Notre Dame, die Champs-Elysées, Point Neuf, Montmartre, die Tuilerien, der Eiffelturm. All das wurde schon so oft besungen, gemalt und gefilmt, dass fast jeder eine Vorstellung davon hat, auch wenn er noch nie dort war.

Abseits der Jagd noch den Sehenswürdigkeiten bietet die französische Hauptstadt aber weit mehr als die Erfüllung eines Klischees. Einträchtig stehen hier Tradition und Moderne nebeneinander, bietet die allgegenwärtige Geschichte einen perfekten Hintergrund für zeitgenössische Experimente.

Paris ist noch immer die Stadt der P8120246Kunst.Während der Louvre weiterhin Touristenströme anzieht, finden sich auch in immer mehr großen und kleinen Museen wunderbare Ausstellungen, die einen hervorragenden Einblick in die Geschichte der französischen Kunst ermöglichen.

So bietet beispielsweise das Musée National d’Art Moderne im 4. und 5. Stock des Centre Georges Pompidou in einer festen Ausstellung eine exzellente Auswahl von Kunst des 20. Jahrhunderts. Das Musée zeigt Werke von Picasso, Kandinsky, Matisse und anderen Größen und deckt dabei die Kunstgeschichte von Fauvismus über Surrealismus bis in die Postmoderne ab. Zusätzlich werden im 6. Stock wechselnde zeitgenössische Künstler ausgestellt. Ein modernes Restaurant rundet das Ensemble in dem mehrfach preisgekrönten Bau ab.

Für Freunde des Impressionismus gibt es das Musée d’Orsay, das in einem alten Bahnhof eröffnet wurde. Allein die Architektur ist hinreißend, zudem locken hier berühmte Werke von Monet, Manet, Renoir und vielen anderen. Auch ein Museum für Design ist in dem klassizistischen Prachtbau untergebracht. Von dem Museums-Restaurant bietet sich dem Besucher ein spektakulärer Blick auf den Louvre und Sacré-Coeur.

Ein ganz anderes Museum legt das Augenmerk auf längst vergangene Zeiten: Mitten im Quartier Latin befindet sich in einem gotischen Stadthaus das Musée du Moyen Age, das sich ganz dem Mittelalter verschrieben hat. Auf mehreren Stockwerken zeigt das Museum Möbel, Schmuck und Waffen aus dem Mittelalter; besonders berühmt sind die „Köpfe der Könige von Juda“, die bis in das 15. Jahrhundert am Portal von Notre Dame zu sehen waren. Das Highlight des Musée du Moyen Age sind die sechs Wandteppiche, die als poetische Allegorien der Sinne die „Dame mit dem Einhorn“ zeigen.

Als absoluter Geheimtipp kann das Musée Nissim de Camondo gelten. Die Familie Camondo hatte über Generationen Kunstschätze gesammelt und schließlich ab 1911 in ihrem Palais am Parc Monceau ausgestellt. Der älteste Sohn des Bauherrn wurde im ersten Weltkrieg getötet, sein Vater vermachte 1935 das Haus und die Sammlung dem Staat. Nach der Machtübernahme der Nazis starben die verbliebenen Camondos in den Vernichtungslagern. Heute wird in dem Palais an die tragische Familiengeschichte erinnert, aber auch die Sammelleidenschaft der Camondos gefeiert. Hier werden wirklich fantastische Stücke der Handwerkskunst des 17. und 18. Jahrhunderts gezeigt.

Direkt am Invalidendom liegt ein weiteres Juwel: das Musée National Auguste Rodin. Hier sind die berühmtesten Skulpturen des Künstlers ausgestellt; vor allem „Der Denker“ zieht die Besucher an. In dem großen, gepflegten Garten versteckt sich ein gemütliches Café mit Terrasse. Hier können Touristen ihre müden Füße ausruhen und im Schatten der Bäume entspannen. Eine freundliche Hauskatze hilft auch gerne bei der Resteverwertung.

Viele Pariser Museen bieten am ersten Sonntag im Monat freien Eintritt, z. B. Das Musée Pompidou und das Musée d’Orsay. Da empfiehlt es sich, zeitig vor Ort zu sein, damit die Schlangen nicht zu lang werden.